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Artikel in Innovations-Report
15. November 2001
Gebe der Marke Gefühl und sie wird
sich verkaufen!
Die Marketingkonferenz "emotional branding"
thematisiert in Hamburg die Zukunft der Markenführung. paradise
media startete mit "emotional branding" eine neue Konferenzserie
zum Thema Markenführung und Emotional Brand Building.
Emotional Brand Building und damit der Aufbau emotionaler Markenwelten
ist das Zauberwort der Stunde. Emotional Branding beeinflusst und
gestaltet die DNA von Marken. Erlebnisorientierte Inszenierungen
von Marken machen die Produkte zum emotional erlebbaren Teil des
Lifestyles von Konsumenten-Zielgruppen. Der Markenwert steht dabei
immer mehr im Mittelpunkt der Diskussion. Unternehmen haben zusehends
gelernt, dass es auf dem Marktplatz der Produkte nicht mehr ausreicht,
ein gutes Produkt zu besitzen, sondern dass es mindestens ebenso
wichtig ist, ein Produkt als Marke zu positionieren. Zahlreiche
Medien berichteten in diesem Jahr sogar vom "Ende der klassischen
Werbung". Am 15. November 2001 trafen sich Markenverantwortliche,
Agenturen und Berater zur Konferenz "emotional branding 01"
im Designhotel Gastwerk Hamburg.
Obwohl die Werbeindustrie über drastischen Einkommensschwund
und geringere Werbeerlöse klagt, kann von einem Ende der Print-TV-
und Hörfunk-Werbung nicht die Rede sein. Richtig interpretiert
steht allerdings die von Marktforschern, Wissenschaftlern, Marketing-
und Kommunikationsverantwortlichen getroffene Aussage, dass klassische
Werbung alleine nicht mehr für eine erfolgsversprechende Zielgruppenansprache
ausreicht und dass die sogenannten "below-the-line-Maßnahmen"
an Gewicht und auch erheblich an Akzeptanz zunehmen. Sponsoring,
Eventmarketing und Erlebniskommunikation spielen hier wichtige Rollen.
Dies wurde auch bei nahezu allen Vorträgen auf dem vor kurzem
in Hamburg stattgefundenen :sponsoring forum 2001, dem 4. Deutschen
Sponsoring Kongress 2001 deutlich.
Die Branche spricht bereits von "Emotional Branding"
und Unternehmen, Berater und Agenturen suchen verstärkt nach
Orientierung und Wissen im Umgang mit den Gefühlen von und
für Marken. Konsequent werden von Unternehmen diejenigen Maßnahmen
begrüßt und befürwortet, welche konkret "auf
den Markenkern" abzielen. Wo die klassische Werbung angesichts
zunehmender Reizüberflutung und Ad-Avoidance an ihre Grenzen
stößt, setzt Emotional Branding ein. Die erlebnisorientierte
Inszenierung von Marken in Kultur, Sport, Mode, Musik, Film macht
Marken zum Inbegriff der eigenen Weltanschauung des Konsumenten.
Branding ist wesentlicher Teil der Unternehmensstrategie
Emotional Brand Building und damit der Aufbau emotionaler Markenwelten
ist das Zauberwort der in diesem Jahr stark krisengebeutelten Werbebranche.
"Emotional Branding beeinflußt und gestaltet direkt die
DNA von Marken", so Hubert G. Feil, Präsident des Fachverbandes
für Sponsoring und Sonderwerbeformen. Die Entwicklung von Marken
muss grundlegenden unternehmensstrategischen Entscheidungen folgen:
"Branding ist wesentlicher Teil der Unternehmensstrategie",
propagiert Dr. Jürgen Häusler, Geschäftsführer
von Interbrand Zintzmeyer & Lux - einer der Referenten der Eventbusiness
Konferenz "emotional branding 01" und Top-Berater von
Unternehmen wie Deutsche Telekom.
Branding erfordert mutige unternehmerische Entscheidungen
"Marken werden in komplexen und langwierigen Prozessen entwickelt,
sie werden vom Markenmanagement konstruiert und folgen nicht einfach
tatsächlichen oder vermeintlichen Markterfordernissen oder
Kundenwünschen: Branding erfordert klare und mutige unternehmerische
Entscheidungen", so Häusler weiter. Sein Vortrag will
vor diesem Hintergrund vor allem als Plädoyer für die
weitere Professionalisierung der Markenentwicklung, des Branding,
verstanden wissen.
"Emotion" ist das Bindeglied zwischen Konsument
und Marke.
Entscheidend für den Erfolg sind allerdings Glaubwürdigkeit,
Stimmigkeit, Integrität und Authentizität. Marken dürfen
nicht ohne Rücksicht auf die Kern-Markenwerte mit Images und
Gefühlen überfrachtet werden. Die Emotionalisierung von
Marken stellt deshalb hohe Anforderungen an die Marketingverantwortlichen:
Professionalität, exakte Kenntnis der Brands und der anvisierten
Imageziele sowie der Marketinginstrumente, v.a. Sponsoring und Eventmarketing.
Werbung war immer schon emotional positioniert
Es geht also bei Emotional Branding nicht um den simplen Einsatz
von Emotionen in der Werbung. "Werbung war immer schon emotional
positioniert", so Hubert G. Feil. Feil, der auch Geschäftsführer
von :paradise media, einer Agentur für Integrierte Markenkommunikation
ist, warnt vor einer Überemotionalisierung von klassischer
Werbung: "Die Marke wird mit emotional Branding zu einem unverwechselbaren
Individuum und dies erfordert höchste Sensibilität in
der Interaktion von Marke und Emotion. Einer Marke kann man ebenso
wenig ein Image aufdrücken wie einem Menschen. Die Marke verlangt
sorgfältigen Umgang mit Markenidentität, Markenkern und
emotionaler Ausrichtung."
Der Erfolg von Emotional Branding rückt wieder einmal die
Frage in den Mittelpunkt, ob sich die Werbeindustrie länger
vor below-the-line-Maßnahmen abschotten kann. Oder ob sie
statt dessen anerkennen sollte, dass es neben der klassischen Werbung
auch sehr erfolgreiches Sponsoring und erlebnisorientierte Kommunikation
gibt, welche die Werbung als gleichwertige Partnertools bestens
ergänzen können und dabei der Marke in wesentlichen Bereichen
hilft. Branchenkenner sprechen längst von einer Zeitenwende:
eine klassische Werbekampagne ist heute ohne ergänzende Below-the-Line-Aktivitäten
kaum mehr denkbar.
Vordenker gehen noch einen Schritt weiter und propagieren einen
holistischen, integrierten Ansatz: "Was heute in den meisten
Kampagnen die Hauptsache ausmacht, ist Zugabe." Der Fernsehspot
ist nicht mehr die Krönung einer Kampagne, sondern Beigabe.
Denn im Vordergrund steht die Entwicklung von Themen, Träumen,
Erlebniswelten und Ideen, mit denen man das Publikum erreichen und
emotional bewegen kann. Die Werbung wird so zum begleitenden Marketingtool
für Sponsoring und Eventmarketing. Helmut Andreas Hartwig,
Chairman von BBDO Germany (im Netz der weltgrößten Werbeagenturgruppe),
sprach vor wenigen Tagen auf dem 4. Deutschen Sponsoring Kongress
2001, dem :sponsoring forum 2001, sogar von "The End of Advertising"
und vertrat die Hypothese, dass Brands ohne den strategisch professionellen
Einsatz von emotionalen below-the-line-Komponenten keinen Zugang
zu den Konsumenten mehr erhalten.
Während die Ausgaben für konventionelle Werbung stagnieren,
schossen die Investitionen in Below-the-Line-Maßnahmen wie
Sponsoring, Events, PR, Medienkooperationen und Programming in den
letzten Jahren in die Höhe. Die klassische Werbung ist an die
Grenzen gestossen, da mit reiner Werbung (Print, TV, Hörfunk)
das emotionale Erleben und damit die gewollte Konsumentenaffinität
zur Marken nicht mehr gewährleistet ist. Im Jahr 2001 werden
bereits mehr als 7 Mrd. DM in Sponsoring investiert. Der Trend zeigt
eine weiter deutliche Zunahme.
Starke Marken faszinieren Kunden, Anleger und Investoren
Glaubt man Finanzexperten, wird in Zukunft der Markenwert den Börsenkurs
bestimmen. Agenturchefs fordern deswegen eine konsequentere und
nachhaltigere Markenführung. Doch noch viel zu oft wird der
Wert der Marke nicht erkannt. Durch häufig wechselnde, an kurzfristigen
Zielen orientierte Marketingstrategien gerät die Pflege der
Brands ins Hintertreffen. Dabei steht für Experten wie Hans
Riedel, Vorstand Vertrieb und Marketing bei Porsche, Stuttgart,
fest: "Starke Marken faszinieren nicht nur die Kunden auf den
Absatzmärkten, sondern auch die Anleger und sogar die institutionellen
Investoren auf den Kapitalmärkten."
Der Wettbewerb ist hart: Jedes Jahr werde in Europa mehr als 16.000
neue Marken entwickelt, alleine in Deutschland kommen pro Jahr mehr
als 6.000 neue Marken auf den Markt. Alle diese Marken suchen eine
unverwechselbare Definition, ein klares Markenimage.
Eine Marke ist eine Persönlichkeit, ein Schauspieler, im besten
Fall ein Star. Entscheidend für die Konzeption ist hier die
Kombination von Kreativität und Erfahrung. Um eine Marke erfolgreich
auf dem Markt zu etablieren, muss sie sowohl rational als auch emotional
aufgeladen sein. Über die Emotion erhält die Marke eine
höhere Kontaktchance und ein unverwechselbares Image und dies
erleichtert den höheren Kontakt zur Marke. Unternehmen müssen
über alle klassischen Werbe- und Marketingmaßnahmen auf
diese emotionalen Engagements mit Sponsoring und Eventmarketing
hinweisen und über die Massenmedien auch bekannt machen.
Sponsoring und erlebnisorientiertes Eventmarketing sind bewährte
Instrumente beim emotionalen Aufbau von Marken. Dominierend sind
Engagements in Sport und Kultur, die möglichen Facetten in
diesen Bereichen sind nahezu unerschöpflich und bei einem professionell
aufgestellten Sponsorship-Portfolio nutzen Unternehmen die vielfältigen
und unterschiedlichen Images dieser Bereiche. Der neue amerikanische
Marketingbegriff "Live Communication" ist nichts anderes
als Integrierte Markenkommunikation mit erlebnisorientiertem Sponsoring
und Eventmarketing.
Emotionales Branding ist ein Marketing- und Kommunikationsinstrument,
welches mittel- bis langfristig angelegt sein muß. Nur eine
kontinuierliche und natürlich auch modifizierbare Branding-Strategie
kann eine nachhaltige Wirkung der Markenwerte und -images erzeugen.
"Emotional Branding" ist somit künftig bei der Entwicklung,
Positionierung und Stabilisierung von Marken ein wichtiges und nicht
mehr wegzudenkendes Instrument.
"Wir empfehlen die Integration eines Marktforschungsunternehmens,
welches sich auch mit den sogenannten "weichen Faktoren"
von Marken beschäftigt.", erklärt Hubert G. Feil.
"Der Semiometrie-Ansatz von TNS Emnid ist ein hervorragender
Entwicklungsschritt für die Beurteilung von Markenengagements."
Dabei werden die Marken in mehreren hundert emotional definierten
Eigenschaften untersucht und überprüft. Ungeachtet dessen
zählen Konsumentenbefragungen und eigene Untersuchungen von
Unternehmen zu notwendigen weiteren Elementen, um ihre Engagements
beurteilen und notfalls auch modifizieren zu können.
Feil: "Wir brauchen begeisterte Markengestalter!"
Feil, der auch Geschäftsführer von :paradise media, einer
Agentur für integrierte Markenkommunikation ist, geht mit der
Marketingbranche hart ins Gericht: "Ich bin auch der Meinung,
dass die meisten Unternehmen ihre Marken nach wie vor nur verwalten
und administrieren. Ich wage die Behauptung, dass zwei Drittel aller
Marken im Moment schlecht geführt und ohne strategische Imageplanung
leiden. Was wir brauchen, sind begeisterte Markengestalter und Vordenken
für Markenpromotion."
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