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Artikel in Media und Marketing
26.11.2002



Warten aufs jüngste EU-Gericht

Das Tabakwerbeverbot der EU hat auch massive Auswirkungen auf das Sponsoring. Hubert G. Feil spricht von einem kulturellen Flurschaden
durch das generelle Werbeverbot.


Jetzt wird´s ernst: Nachdem der Brüssler EU-Entwurf zum Tabakwerbeverbot in Printmedien, Radio und Internet vergangene Woche überraschend vom Europäischen Parlament gebilligt worden ist, können Zigarettenhersteller und Werbewirtschaft nur noch hoffen, dass der Europäische Gerichtshof in Luxemburg die Initiative von EU-Verbraucherschutzkommisar David Byrne kippt. Wie schon vor gut zwei Jahren: Da konnte die Bundesregierung in Luxemburg ein europaweites Tabakwerbeverbot noch einmal verhindern. Das Gericht war damals der Auffassung, dass Byrne und seine Kommission ihre Kompetenzen überschritten hätten. Deshalb argumentiert der EU-Kommisar beim neuen Anlauf anders: In einzelnen EU-Mitgliedsstaaten bestehen bereits Werbeverbote für Tabakprodukte, und deshalb beklagt Byrne diesmal einen Verstoß gegen die internationale Chancengleichheit innerhalb der Gemeinschaft.

Gefahr im Verzug sieht Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ): "Es geht uns nicht nur um die Umsatzeinbußen, die Freiheit der Presse ist ohne Werbung nicht denkbar." Zudem koste ein Tabakwerbeverbot in Deutschland viele Arbeitsplätze in der Werbe- und Medienwirtschaft." GWA-Präsident Holger Jung reagierte auf den Parlamentsbeschluss entsetzt und verfasste einen offenen Brief an Wolfgang Clement, um den Bundeswirtschaftsminister angesichts der unkalkulierbaren Folgen eines Werbeverbots zu alarmieren. Dies, so Jung, reduziere die wichtigste Einnahmequelle der Medien und damit deren Vielfalt, die eine vielgestaltige und unabhängige Berichterstattung sicherstelle. "Somit ist Werbefreiheit eine unverzichtbare Voraussetzung für Pressefreiheit", schreibt Jung und bezeichnet es als "pure Blasphemie", dass die EU zwar Tabakwerbung, aber nicht die Tabakprodukte als Steuereinnahmequelle verbieten wolle und zudem den Tabakanbau auch noch subventioniere.

Von "Kompetenz-Imperialismus" spricht Volker Nickel, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), und verdeutlicht: "Die EU besitzt zwar die klare Zuständigkeit für Veterinärmedizin, nicht aber für eine Gesetzgebung zur menschlichen Gesundheit." Diese Kompetenz wolle sich die Brüsseler Behörde über den Umweg angeblich gestörten Wettbewerbs erschleichen, so Nickel. "Der Europäische Gerichtshof muss diese Missachtung der Europäischen Verträge ausgerechnet durch deren Hüterin, die EU-Kommission, erneut zurückweisen – vorausgesetzt, die deutsche Bundesregierung klagt erneut", hofft Nickel. Der ZAW sei "in enger Partnerschaft mit den betroffenen Branchen konkret aktiv".

Beim Verband der Cigarettenindustrie (VdC) beurteilt man indes die Chancen für eine erneute Unterstützung der Bundesregierung "ganz gut". Auch Fürstner setzt auf die Unterstützung aus Berlin: "Wir sind auch weiterhin zuversichtlich, dass uns die Bundesregierung hilft, in einer erneuten Klage das Werbeverbot zu verhindern." Sollte Luxemburg dem Vorstoß diesmal allerdings stattgeben, wären die Schäden für die Werbewirtschaft katastrophal. Nickel rechnet vor, dass der angestrebte Verlust der Kommunikationsfreiheit für Tabakprodukte ingesamt rund 300 Millionen Euro pro Jahr betragen werde. Noch schlimmer sei aber ein zu erwartender "Dominoeffekt": "Gelingt der Kommission ihr Coup, wird sie sich mit der gleichen kafkaesken Argumentation auf andere missliebige Bereiche der Werbung stürzen." Im Visier sind dabei Branchen, die schon jetzt eine eingeschränkte Werbefreiheit genießen: alkoholische Getränke, Süßwaren oder Spielzeug. Nickel zeichnet ein düsteres Szenario: "Dann gerät ein Werbevolumen von rund 4,67 Milliarden Euro auf schwankenden Boden – 15 Prozent sämtlicher derzeitiger Investitionen in Werbung."

Massiv betroffen vom Tabakwerbeverbot wäre auch das Sponsoring, nicht nur bei Großveranstaltungen wie etwa der Formel 1. Ebenfalls mit fatalen Folgen, wie Hubert Feil, Präsident des Fachverbands für Sponsoring und Sonderwerbeformen (FASPO), aufzeigt: "Konservativ und auch in Kenntnis der aktuellsten Marktforschungsdaten gehen wir von einem Betrag zwischen 100 und 200 Millionen Euro aus, der dem Sport entgeht."

Während dies Veranstaltungen wie die Formel 1 zwar nicht elementar gefährde, sei der Schaden für Kultur, Musik, Kunst und Film dagegen "drastisch": "Hier machen die Sponsoringgelder aus der Tabakindustrie viele Projekte erst möglich", sagt Feil, "durch das generelle Tabakwerbeverbot entsteht hier mit Sicherheit ein längerfristiger kultureller Flurschaden."

 

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...aber von der EU verboten.