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Financial Times Deutschland
26. November 2002

Ratgeber für kreatives Sammeln

Sponsoren werden immer zurückhaltender. Neue Handbücher geben Tips, wie man noch mehr an Geld kommt. Artikel in Financial Times über das :sponsoring forum 2002.


Kultur ist Staatsaufgabe in Deutschland. In kaum einem Land werden solche Aufgaben in so starkem Maße aus staatlichen Mitteln finanziert. Die Kulturausgaben von Bund, Ländern und Kommunen belaufen sich auf rund 7 Mrd. Euro jährlich. Die private Kulturfinanzierung aus Sponsoring, Stiftungen und Spenden beträgt Schätzungen zufolge gut 525 Mio. Euro. Dabei kam die größte Summe aus dem Bereich Sponsoring, nach Schätzungen rund 350 Mio. Euro. Private Stiftungen schütteten rund 125 Mio. Euro für die Kultur aus, und durch private Zuwendungen flossen nochmals etwa 50 Mio. Euro.

Dabei ist Kultur nicht mal das Hauptfeld des Sponsorings. Von den rund 2,6 Mrd. Euro entfallen 1,6 Mrd. Euro auf den Sport, das sind mehr als 60 Prozent. Allerdings wird dort das Geld nicht mehr wahllos verteilt. Entsprechend angespannt waren die Mienen auf dem wieder von Paradise Media veranstalteten Deutschen Sponsoring Kongress (sponsoring forum), der vergangene Woche in München tagte.

In der Formel 1 ist bereits von Sponsorenflucht die Rede - Veltins steigt bei BMW Williams aus, die Deutsche Post bei Jordan.

Viele Konzerne stellen sich inzwischen die Frage, ob ihnen Sponsoring wirklich zu einem besseren Image und einer besseren Werbewirkung verhilft. Im Gegensatz zu Spenden, Mäzenatentum oder altruistischer Haltung basiert der Gedanke des Sponsorings auf einer Erwartung, die eine direkte Gegenleistung vertraglich garantiert. Auch die Sponsoren wollen sehen, dass sich ihr Engagement lohnt.

Im Idealfall so wie bei Siemens. Der Konzern stieg vor zwei Jahren bei Latio Rom ein. Die Römer wurden Meister und holten den italienischen Pokal - und die Zahl der verkauften Siemens-Handys in Italien stieg sprunghaft an. Von solchen Geschichten war in München nichts mehr zu hören. "Die Sponsorengelder werden in allen Sportarten einbrechen, auch im Fußball," sagte beim Deutschen Sponsoring Kongress Jürgen Kindervater, Sportmarketing-Chef der Deutschen Telekom.

Hubert G. Feil, Geschäftsführer der veranstaltenden Agentur Paradise Media und Präsident des Deutschen Sponsoring Verbandes sieht das differenzierter: "Sport hat eine enorme Breitenwirkung in Medien und Gesellschaft und Sportkommunikation zählt bei großen Unternehmen zu den nachgewiesen effektiven Kommunikationsformen. Allerdings werden sich die Unternehmen eindeutig von einer Sponsoring-Mono-Kultur verabschieden, der Trend geht zu umfangreichen und ausgefeilten Sponsoring-Portfolios, die Brands werden die gesamte Klaviatur von Sport, Kultur, Wissenschaft und Sozialem spielen und die Gelder entsprechend verteilen. Dazu kommt, dass der Markt unberechenbar geworden ist und Etats schnell wieder gekippt oder umverteilt werden können."

Ein gutes Image wird also nicht mehr um jeden Preis gewollt. Umso schwieriger wird es - im Sport, in der Kultur und in der Wissenschaft und in allen anderen Bereichen - überhaupt noch Sponsoren aufzutreiben. So verwundert es nicht, dass die Neuerscheinungen zu Sponsoring in ihrem Titel die Begriffe "Leitfaden" und "Handbuch" tragen.

Wer das Handwerk des Sponsorings beherrscht und kreativ einsetzt, wird seine Aufgaben auch unter solchen Rahmenbedingungen lösen, leiten Elisa Bortuluzzi Dubach und Hansrudolf Frey ihr Buch "Sponsor" ein. In zehn Schritten werden die Grundbegriffe und Strategien des Sponsorings überzeugend abgehandelt. Die beiden Experten müssen wissen, wie es geht, arbeiten sie doch als Marketingberater. Bei so viel praktischen Musterverträgen, Strategieplanern und Erfolgscontrolling sollten jedoch die Mitarbeiter von Non-Profit-Organisationen oder Kulturveranstalter nicht vergessen: Die entscheidende Hürde bleibt immer noch die Chefsekretärin des Sponsorgebers.

"Das klingt zwar nett", so Hubert G. Feil von Paradise Media, aber "kaum ein Unternehmen reagiert positiv auf Telefonmarketing für Sponsoringprojekte und sei die Telefonstimme noch so lieb." Was laut Feil zählt, ist professionelles Wissen in der Aufbereitung komplexer Sponsoringkonzeptionen, eine akzeptable Zeitplanung, exzellente Marktkenntnisse, über Jahre entstandene Netzwerke und natürlich beste persönliche Kontakte zu den Verantwortlichen in den Unternehmen.

Feil begrüßt die neue Vielfalt auf dem Buchmarkt: "Ich empfehle jedem Sponsoringsuchenden und Mitarbeiter in den Bereichen Kultur, Öko, Wissenschaft, Bildung und Soziales zunächst eine Basislektüre, damit wir eine bessere Gesprächsgrundlage haben."

Die anderen Ratgeber setzen eher auf den Komplex Fundraising, also Spendensammeln. Einen Überblick bietet das "Handbuch Fundraising". Marita Haibach fasst von den Grundlagen und Rahmenbedingungen über Voraussetzungen für erfolgreiches Fundraising für gemeinnützige Zwecke das Thema in ansprechender Weise zusammen. Davon profitieren Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen gleichermaßen. Denn, ein Kardinalfehler sei es, dass sich weder oft genug noch regelmäßig um die Unterstützung von privaten Förderern bemüht werde.

Michael Urselmann beruft sich auf die Erfahrungen der 100 wichtigsten Organisationen in Deutschland. "Erfolgreiche Strategien führender Non-Profit-Organisationen" fasst eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung aus den Jahren 1993 bis 1997 zusammen und wendet sich trotz didaktischer Aufbereitung vor allem an Unternehmen aus dem Non-Profit-Bereich.

Für alle, denen es an Geld fehlt - und wer macht sich sonst auf die Suche nach Spenden und Sponsoren? - empfiehlt sich Nicole Fabischs "Fundraising". Neben dem bestechenden Preis bietet es gerade für Einsteiger eine erste detaillierte Übersicht. Angehende Spendensammler sollten die mühsame Arbeit des Geldsammelns nicht immer abgeben. Natürlich gibt es spezialisierte Sponsoringagenturen - aber die verdienen im Schnitt 15 bis 25 Prozent der Sponsoringsumme, Berater streichen sogar bis 2.500 Euro am Tag ein. Da kommt ein Büchlein deutlich billiger. Für den Anfang.

 

 

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Jürgen Kindervater von Deutsche Telekom

"Die Sponsorengelder werden in allen Sportarten einbrechen, auch im Fußball," sagte beim Deutschen Sponsoring Kongress Jürgen Kindervater, Sportmarketing-Chef der Deutschen Telekom.