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Süddeutsche Zeitung

24. Juni 2000

 

Makler zwischen Kunst und Kommerz

Die Veranstaltung "Chancen im Kulturmanagement" vom Hochschulteam des Arbeitsamtes München in der Ludwig-Maximilian-Universität. Hubert G. Feil referierte über Kulturmanagement.

Informationsveranstaltung für Studierende und Absolventen der Geschichtswissenschaften und anderer Fakultäten der LMU München.

Referenten und Podiumsteilnehmer:

  • Christiane Zentgraf . BMW AG München . Leitung Kulturkommunikation
  • Hubert G. Feil . :paradise media germany . Geschäftsführer
  • Dr. Wolfgang Till . Stadtmuseum München . Direktion und Museumsleitung
  • Dietmar Lupfer . Muffathalle München . Geschäftsführer und künstl. Leiter
  • Anna-Maria Engelsdorfer . Hochschulteam Arbeitsamt München

So ändern sich die Zeiten: "Als ich angefangen habe", erinnert sich Wolfgang Till, Direktor des Stadtmuseums München, "wäre ein Umstand, daß Sie für eine Ausstellung einen Sponsor beibringen, der dann auch noch auf dem Plakat erscheint, ein Entlassungsgrund gewesen."

In den zurückliegenden Jahrzehnten hat diese Praxis nicht allein den Ruf der schimpflichen Kunstentweihung verloren, sondern wird geradezu vorausgesetzt. Till: "Vor einiger Zeit wurde ich bei einem Projekt von der Stadtverwaltung angeschrieben und besorgt gefragt, ob ich auch wirklich alle potentiellen Sponsoren abgeklappert hätte." Mittlerweile bezeichnet Till seinen eigenen Beruf mit einem Ausdruck, den er damals wohl nie in den Mund genommen hätte: Kulturmanager.

Dieses Wort klingt heutzutage verlockend, wohl weil es zwei derzeit positiv besetzte Begriffe kombiniert, von denen einer nach Kreativität, der andere nach viel Geld klingt. Jedenfalls war ein Informationsabend des Münchner Arbeitsamtes zu diesem Thema mit mehr als 150 Studenten - trotz sommerlicher Hitze im Historikum der LMU München - auffallend gut besucht.

Freilich, so musste der akademische Nachwuchs erfahren, ist das Brot des Kulturmanagers hart verdient, ob er nun für ein Museum arbeitet, für eine Konzertagentur oder für die Unternehmenskommunikation eines Großkonzerns. Den Sponsoren, Unternehmen, Verwaltungen muss er häufig als Traumtänzer erscheinen, für die Künstler dagegen ist er die schnöde Krämerseele, die nach Wettbewerbsfähigkeit, Finanzierbarkeit und nicht zuletzt Profit fragt.

Arbeiten wie Hotel- und Reisebuchungen für Künstlerensembles dürften dem Kulturmanager nicht zu enervierend sein, erklärt Dietmar Lupfer, der künstlerische Leiter der Münchner Konzert- und Eventstätte in der Muffathalle. "Und wenn Sie sicher sind, dass Sie psychisch belastbar genug sind", so Lupfer weiter, "dann können Sie sich Gedanken machen über all die Vorschriften, die Sie gut kennen müssen: Steuerrecht, Arbeitsrecht, Bauordnung, Ausländerrecht - um nur einige zu nennen."

Wen sollte dieser Beruf bei solcher Mühsal reizen - zumal der Kulturmanager, wie Hubert G. Feil von dem Beratungsunternehmen :paradise media germany noch einmal betonte, "selbst keine Kunst und Kultur schafft"? Immerhin: Die Aussichten in der Branche seien, wie der Agentur-Mann Feil schwärmte, zurzeit sehr gut". Das trifft fast überall zu - nicht jedoch am Ort der Veranstaltung selbst. "In Europa gibt es rund 300 Ausbildungsstätten für Kulturmanager, 70 davon in Deutschland", sagte Feil, "aber in München keine einzige!".

Vor allem in ihrer Funktion als Geldbeschaffer würden die Kulturmanager hier in München nicht so dringend gebraucht, sagte Feil. "In München ist die Kultur sehr gut finanziert - eine Situation, die es sonst fast nirgends gibt."