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Münchner Merkur
20. Oktober 1998

Kulturmanager braucht das Land

Symposium über Kunstsponsoring im Literaturhaus.

Was im Sport längst akzeptiert ist, gilt in der Kultur oft noch als Tabu: Sponsoring. Auf der einen Seite sind die öffentlichen Kassen leer, auf der anderen wird der "Ausverkauf der Kultur" befürchtet. Was fehlt, sind "Kulturmanager", die mit den Befindlichkeiten beider Seiten vertraut sind und im Dialog zwischen Kultur und Wirtschaft vermitteln können, meint Hubert G. Feil. Der Geschäfttsführer von Paradise Media organisiert ein Symposium für Kunstsponsoring, am 29. und 30. Oktober im LIteraturhaus.

Gegenüber dem Sport habe die Kultur einige Vorteile aufzuweisen und müsse von daher für die Wirtschaft immer interessanter werden, meint Hubert Feil. Zum einen sei das Sportsponsoring für viele Unternehmen schlicht zu teuer geworden. Zum anderen sei viel leichter nachzuvollziehen, wer welche Art von Kultur konsumiert, also welche Zielgruppe man mit dem Sponsoring erreicht.

Natürlich, räumt Feil ein, müsse das Unternehmen bereit sein, diese Art der Öffentlichkeitsarbeit mittel- bis langfristig anzulegen. "Doch sei es in der heute herrschenden Medienvielfalt und täglichen Informationsflut immer schwieriger, den Konsumenten mit herkömmlicher Werbung zu erreichen. "Emotionen müssen angesprochen werden." Dafür sei die Kultur ein geeignetes Feld.

Dem entgegen stehe die Scheu der Kulturschaffenden, den Sponsoren mehr Plattformen zu bieten, als "das Logo auf Seite drei der Umschlagseite im Programmheft", aber auch der Berichterstatter in den Medien, das geldgebende Unternehmen in der Besprechung, ist zu nennen. Scheint der Adidas-Clup etwas ganz Normales, kann sich die BMW-Oper keiner so recht vorstellen.

Die Kultur dem freien Wettbewerb der Wirtschaft preisgeben will Feil allerdings auch nicht. Er verweist auf ein englisches Modell, die von Prinz Charles gegründete "Association for Business, Sponsorship and the Arts". Diese koordiniere die Finanzierung kultureller Projekte, die nach dem Schema funktioniere, daß wer sein Vorhaben zu 50 Prozent durch Sponsoren finanziert, den Rest vom Staat oder der Kommune erhalten kann. Der Staat werde entlastet, gleichzeitig die Unabhängigkeit der Kultur gewahrt.

Verständigungsschwierigkeiten zwischen Kultur und Wirtschaft liegen in der Natur der Sache. Hier brauche es Vermittler, sogenannte "Kulturmanager", für die Feil einen regelrechten "Ausbildungsnotstand" sieht. Die Absolventen eines in Hamburg angebotenen Studiengangs für Kulturmanagement könnten sich vor Jobangeboten kaum retten. Natürlich gebe es auch Naturtalente und Größen wie August Everding, der mit dem Prinzregententheater ein hervorragendes Beispiel für Kultursponsoring und public private partnership geliefert habe.

 

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