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FOCUS
13. Januar 2003

Knete für die Bildung
Die deutsche Wirtschaft steckt immer mehr Geld in Hochschulen
– die Gründe sind vielfältig

Egal, ob an der Börse, bei Anlegern oder Kunden: Bei kaum jemandem steht die Deutsche Telekom derzeit hoch im Kurs. Die Schulden sind zu drückend, der Aktienkurs zu niedrig, die Gebühren zu teuer. In vielen Hochschulen jedoch genießen die Bonner viel Respekt. Kein Wunder, schließlich pumpt die Telekom Jahr für Jahr Millionen Euro in 14 Uni-Lehrstühle weltweit sowie in die eigene Hochschule für Nachrichtentechnik und Informatik in Leipzig.

Mit Millionenbeträgen fördern immer mehr Firmen Ausbildungswege, Studiengänge oder gar den Betrieb ganzer Universitäten. Knapp jedes dritte Unternehmen, ermittelte die Beratungsgruppe Bob Bomliz in ihrer Studie Sponsoring Trends 2002, hat inzwischen ein Stiftungs- oder Sponsoringbudget für das Thema Bildung. Allein die Gründung der Elite-Hochschule European School Management Technology im vergangenen Jahr in Berlin war den 25 beteiligten Konzernen fast 100 Millionen Euro wert.„

Bis vor kurzem war das Engagement der Wirtschaft für Bildung zu brav“, beobachtet Hubert G. Feil, Präsident des Fachverbands für Sponsoring. Im Moment jedoch fingen Unternehmen an, die entsprechenden Etats einzurichten oder aufzustocken – unabhängig von der Branche oder ihrer Größe. „Bis 2005“, erwartet Feil, „wird sich das Volumen für Bildungssponsoring verdreifachen.“

Die neue Großzügigkeit hat verschiedene Gründe. Vor allem der Mangel an Führungsnachwuchs sowie die nachlassende Ausbildungsqualität an den deutschen Unis treiben die Konzerne dazu, Millionen locker zu machen. „Für die neue Berliner Hochschule haben wir Geld bereitgestellt“, sagt Mathias Claus vom Pharmariesen Schering, weil die Inhalte der Managementfächer sowie die Kombination von Theorie und Praxis überzeugend seien. „So ein Angebot bieten viele andere Unis nicht“, lobt Claus den Lehrplan der Berliner.

Auch Autobauer Volkswagen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lernbedingungen und -inhalte für Studenten zu verbessern: Mit fast fünf Millionen Euro beteiligte sich VW 2001 an dem Neubau der TU-Bibliothek in Berlin, 2004 will der Konzern seine eigene Auto-Uni eröffnen.

Die Telekom begründet ihr Engagement unter anderem mit dem erwarteten Nachwuchsmangel in Deutschland. „Wir brauchen frisches Know-how und neue Führungskräfte“, heißt es aus der Zentrale, „und wollen den prognostizierten Trend deshalb möglichst bremsen.“

Angesichts der Millionen wünschen sich die Geldgeber spätestens nach einigen Jahren, selbst von ihrem Sponsoring zu profitieren. So lange muss die Deutsche Post nicht warten, denn ihr Engagement für den Wirtschaftskon-gress der Uni Köln zahlt sich meist schnell aus. „Für den Kongress übernehmen Studenten unter anderem auch Berateraufgaben“, erzählt Post-Mitarbeiterin Ina Quilling. „Die Resultate dieser Kooperationen kommen der Post zugute.“

 

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„Das unternehmerische Engagement für Bildungssponsoring wird sehr stark zunehmen."