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Wirtschaftsblatt
5. Oktober 2002
Seele der Menschen mit Kultur erreichen
Regeln und Spielarten eines
richtig verstandenen Marketings im grossen Bereich der Kultur. Österreich
spielt im Kultursponsoring schon heute eine überdurchschnittliche
Rolle. Europas Sponsoring Gesamtvolumen wird in kürze mit den
USA gleichziehen.
Zum Vortrag von Hubert G.
Feil beim "mediatalk Graz 2003". Hubert Feil leitet das
Beratungsunternehmen :paradise media und berät in Sponsoring-Fragen
auch Kunden in Österreich, Großbritannien, Spanien und
weiteren europäischen Ländern.
Europas Sponsoring-Gesamtvolumen wird in Kürze mit den USA
gleichziehen.
Hubert G. Feil, Geschäftsführer des Deutschen Sponsoring-Verbandes
mit
Sitz in Augsburg, ist sich seiner Sache sicher: Sponsoring und insbesondere
Kultursponsoring wird eine wachsende Rolle spielen. "Mit der
Kultur erreichen wir die Seele des Menschen", sagt er.
Werbung hat Grenzen
Wo die klassische Werbung an Grenzen stösst, bietet sich
Sponsoring als Teil einer unternehmerischen Gesamtstrategie an.
Es erlaubt emotionales Marketing. In Österreich hat Sponsoring
laut Feil eine längere Tradition als in Deutschland. Der Unterschied
zeigt sich am deutlichsten im Kulturbereich. Wenn in Deutschland
im Jahr 2002 knapp vier Milliarden € für Sponsoring aller
Art fliessen, so kann man in Österreich mit etwa einem Zehntel
dieses Betrages rechnen, also mit 400 Millionen €. Aber: "Im
Kulturbereich, für den in Deutschland 800 Millionen €
flüssig gemacht werden, betragen die Aufwendungen in Österreich
nicht nur ein Zehntel, sondern 15 Prozent mehr." Also rund
92 Millionen. Verbindliche Statistiken gibt es freilich nicht, denn
Sponsoring muss nirgendwo angemeldet werden, mit Ausnahme beim Finanzamt,
um Steuererleichterungen zu bekommen.
Sponsoringmarkt: Europa holt USA ein
Das Sponsoring-System ist in den USA am stärksten entwickelt,
aber die
Zuwachskurve flacht ab. Das Marktvolumen wird in den USA mit 11,5
Milliarden Dollar geschätzt und wächst um etwa sechs Prozent,
das europäische Marktvolumen mit neun Milliarden Dollar liegt
knappt dahinter und wächst mit der höheren Rate von 9,6
Prozent pro Jahr. Es ist also abzusehen, dass Europa mit den USA
gleichzieht. 63 Prozent der Sponsoring-Gelder fliessen in den Sport,
16 Prozent in die Medien, rund 15 Prozent in die Kultur.
Motive, die die Unternehmer verstärkt in den Kulturbereich
locken, liegen laut Feil auf der Hand. Sie sprechen auf diese Weise
wertvolle Zielgruppen an, etablieren Produktnamen und Marken in
den Köpfen des Publikums, sie finden breiten Eingang in die
Medienberichterstattung und erringen Sympathie für das Unternehmen.
Der Erfolg fällt freilich niemandem in den Schoss, genaue
Planung und Zielsetzung sind nötig. Der Unternehmer muss sich
vor einem Engagement klar darüber werden, was er überhaupt
erreichen kann und was er erreichen will. Die schwächste Lösung
besteht darin, einen Künstler dazu zu bringen, dass er das
Firmen-Logo auf eine Einladung drucken lässt - und dass das
Unternehmen dafür auch noch zahlt.
"Achtung, es gibt eine Logo-Müdigkeit der Menschen,
das wirkt nicht mehr", sagt Feil. Er sieht die Aufgabe ganzheitlich
- das Unternehmen bindet sich in gesellschaftlichkulturelle Prozesse
ein, stellt sich nach aussen und nach innen dar und wird im regionalen
und städtischen Bereich wichtig für die Kultur, für
eine Gemeinde. Was gibt es Besseres für Unternehmen von regionaler
Bedeutung? Nur so rechnet sich der finanzielle Einsatz für
Kunst und Kultur.
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