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Artikel in BlachReport
01.11.2001



Integrierte Markenkommunikation
Warum braucht eine Marke Emotionen?


Interview mit Hubert G. Feil

Emotional Brand Building und damit der Aufbau emotionaler Markenwelten ist das Zauberwort der Stunde. Emotional Branding beeinflusst und gestaltet die DNA von Marken. Erlebnisorientierte Inszenierung von Marken in Sport, Musik, Mode, Musik, Film, Kultur machen Marken zum emotionalen erlebbaren Teil des Lifestyles von Konsumenten-Zielgruppen.

Angesichts der zunehmenden Skepsis der Verbraucher gegenüber klassischer Werbung (Ad-Avoidance) gewinnen alternative Werbeformen immer mehr an Bedeutung. Während die Ausgaben für konventionelle Werbung stagnieren, schossen die Investitionen in Below-the-Line-Maßnahmen wie Sponsoring, Events, PR, Medienkooperationen und Programming in den letzten Jahren in die Höhe.

Branchenkenner sprechen längst von einer Zeitenwende: eine klassische Werbekampagne ist heute ohne ergänzende Below-the-Line-Aktivitäten kaum mehr denkbar. Wir leben in einer Zeit der Markenüberflutung. In Europa werden jedes Jahr mehr als 16.000 neue Marken entwickelt, alleine in Deutschland kommen pro Jahr mehr als 6.000 neue Marken auf den Markt. Alle diese Marken suchen eine unverwechselbare Definition, ein klares Markenimpage. Die klassische Werbung ist hier an die Grenzen gestossen, da mit reiner Werbung (Print, TV, Hörfunk) das emotionale Erleben und damit die gewollte Konsumentenaffinität zur Marken nicht mehr gewährleistet ist.

Die neuen Markentechniker und Marketing-Vordenker gehen jedoch noch einen Schritt weiter und propagieren einen holistischen, integrierten Ansatz. Das, was heute in den meisten Kampagnen die Hauptsache ausmacht, ist Zugabe. D.h. der Fernsehspot ist nicht mehr die Krönung einer Kampagne, sondern Beigabe. Denn im Vordergrund steht die Entwicklung von Themen, Träumen, Erlebniswelten und Ideen, mit denen man das Publikum erreichen und emotional bewegen kann.

Emotion ist das unverwechselbare Bindeglied zwischen einem Markennamen und dem Konsumenten. Mit strategisch ausgerichtetem Emotional Branding wird die Marke aufgeladen und für den Konsumenten spürbarer und faszinierender. Emotionales Brand Building erleichtert neuen und traditionellen Marken die Positionierung am Markt. Klar ausgedrückt, gibt „Emotional Branding“ den Marken die Personality, den Lifestyle, das Image.

Wieviel Emotion ist für eine Marke erforderlich?

Glaubwürdigkeit, Stimmigkeit, Integrität und Authentizität stehen an erster Stelle. Marken dürfen nicht „überpowert“ werden, sondern müssen sorgfältig mit Erlebniswerten und emotionalen Images angereichert werden. Es kann daher nur nach sorgfältiger Planung und meist auch mit vorausgehender Marktforschung und –analyse ein „Emotional Branding Concept“ entwickelt werden. Wenn Marketingverantwortliche heute eine Marke einfach emotional überladen und dies ohne Rücksicht auf den Markenkern, die Markenwerte geschieht, ist das Ziel verfehlt. Die Überfrachtung einer Marke mit zu vielen und unterschiedlichen Images ist schwer zu korrigieren.

Wie bringt man die Emotion in die Marke?

Eine Marke ist eine Persönlichkeit, ein Schauspieler, im besten Fall ein Star. Entscheidend ist die Kombination von Kreativität und Erfahrung. Um eine Marke erfolgreich auf dem Markt zu etablieren, muss sie sowohl rational als auch emotional aufgeladen sein. Sponsoring und erlebnisorientiertes Eventmarketing sind bewährte Instrumente beim emotionalen Aufbau von Marken. Dominierend sind Engagements in Sport und Kultur, die möglichen Facetten in diesen Bereichen sind nahezu unerschöpflich und bei einem professionell aufgestellten Sponsorship-Portfolio nutzen Unternehmen die vielfältigen und unterschiedlichen Images dieser Bereiche. Der neue amerikanische Marketingbegriff „Live Communication“ ist nichts anderes als Integrierte Markenkommunikation mit erlebnisorientiertem Sponsoring und Eventmarketing. Das Spiel mit dem Emotionen setzt professionelle Planung voraus und exakte Kenntnis der Marken, sowie der avisierten Imageziele. Unverzichtbar sind in einem professionellen Sponsorship-Portfolio von Marken die drei Bereiche Sport, Kultur und Public/Soziales.

Lassen sich emotionale Markenbotschaften und klassisches Marketing verbinden?

Selbstverständlich! Erste Voraussetzung für Emotionales Branding ist die Vernetzung mit allen klassischen Werbe-, Kommunikations- und Marketingmethoden. Über die Emotion erhält die Marke eine höhere Kontaktchance und ein unverwechselbares Image und dies erleichtert den höheren Kontakt zur Marke. Unternehmen müssen über alle klassischen Werbe- und Marketingmaßnahmen auf die emotionalen Engagements mit Sponsoring und Eventmarketing hinweisen und über die Massenmedien auch bekannt machen.

Wie lassen sich Markenwelten und –botschaften in Erlebnismarketing übertragen?

Durch professionelle Planung und Zusammenarbeit mit den Markenverantwortlichen von Unternehmen. Ferner natürlich durch Kenntnis der machbaren und einsetzbaren Möglichkeiten. Fakt ist, daß Marken erlebbarer gemacht werden können und auch müssen. Eine Übertragung von Markenwelten ensteht zwangsläufig bei den richtigen Engagements und diese gilt es vorher ausgiebig zu prüfen und zu untersuchen.

In welchen Abständen nutzen sich die emotionalen Werte in der Marke ab und müssen aufgefrischt werden?

Emotionales Branding ist ein Marketing- und Kommunikationsinstrument, welches mittel- bis langfristig angelegt sein muß. Nur eine kontinuierliche und natürlich auch modifizierbare Branding-Strategie kann eine nachhaltige Wirkung der Markenwerte und –images erzeugen. „Emotional Branding“ ist somit künftig bei der Entwicklung, Positionierung und Stabilisierung von Marken ein wichtiges und nicht mehr wegzudenkendes Instrument.

Wie läßt sich der Erfolg des Marken-Investments kontrollieren?

Wir empfehlen die Integration eines Marktforschungsunternehmens, welches sich auch mit den sogenannten „weichen Faktoren“ von Marken beschäftigt. Der Semiometrie-Ansatz von TNS Emnid ist ein hervorragender Entwicklungsschritt für die Beurteilung von Markenengagements. Dabei werden die Marken in mehreren hundert emotional definierten Eigenschaften untersucht und überprüft. Ungeachtet dessen zählen Konsumentenbefragungen und eigene Untersuchungen von Unternehmen zu notwendigen Elementen, um ihre Engagements beurteilen und notfalls auch modifizieren zu können.

Ich bin auch der Meinung, daß die meisten Unternehmen ihre Marken nach wie vor nur verwalten und administrieren. Ich wage die Behauptung, daß zwei Drittel aller Marken im Moment schlecht geführt und ohne strategische Imageplanung leiden. Was wir brauchen, sind begeisterte Markengestalter und Vordenken für Markenpromotion.

Was sind erfolgreiche Beispiele für emotionales Branding?

Hier gibt es glücklicherweise viele positive Beispiele. IBM und Montblanc sind als Sponsoren für Kunst gut positioniert, Volkswagen hat mit seiner „Sound Foundation“ beste Arbeit geleistet, Opel zeichnet Kontinuität in der Partnerschaft mit Bayern München aus, Holsten hat hervorragendes Branding mit Peter Maffay und der Kampagne „Auf die Freundschaft“ gemacht. Swatch ist bestens mit Trendsport verknüpft. Sensationell ist auch das weltweite Kunstengagement der Modelabels Giorgio Armani und Boss, bemerkenswert sind natürlich auch der Laureus Sports Award von Daimler Chrysler und das Golf-Engagement von Linde.

Ich wage die Prognose, daß die Bewertung von Unternehmen künftig sehr viel mehr vom Markenwert und vom Markenpotential in Unternehmen abhängig sein wird. Viele internationale Finanzexperten bestimmen analysieren bereits jetzt die Markenwerte und sehen die direkte Verbindung zum jeweiligen Börsenkurs. Starke Marken faszinieren nicht nur die Kunden auf den Absatzmärkten, sondern auch die Anleger und sogar die institutionellen Investoren auf den Kapitalmärkten.

Wir fordern deshalb für Unternehmen und auch für das neue Denken in Werbung und Marketing eine konsequentere und nachhaltigere Markenführung. Doch noch viel zu oft wird der Wert der Marke nicht erkannt. Durch häufig wechselnde, an kurzfristigen Zielen orientierte Marketingstrategien gerät die Pflege der Brands ins Hintertreffen.

 

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