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LUFTHANSA MAGAZIN
10/2002 - 1. Oktober 2002
Geld für Jedermann
In der Kultur geht heute fast nichts mehr ohne Sponsoren. Davon
profitiert nicht nur die Kunst, auch die Unternehmen gewinnen -
beim Image. Suzanne Harf von den Salzburger Festspielen, Prof. Manfred
Schwaiger von der LMU München und Hubert G. Feil von :paradise
media im Gespräch mit dem Lufthansa Magazin.
Nach der Party ist vor der Party. Kaum sind die Salzburger Festspiele
vorbei, beginnt Suzanne Harf schon mit der Vorbereitung der nächsten.
Während noch die Arbeiter aus dem diesjährigen "Jedermann"-Bühnenbild
wieder eine Dom-Fassade machen, rechnet sie bereits am Festspiel-Etat
für das nächste Jahr.
Die Luxemburgerin ist im Direktorium von Europas bekanntestem Theater-
und Musikfestival fürs Sponsoring zuständig. Und fürs
Protokoll. Denn: "je mehr Sponsoren man hat, umso intensiver
muss man sich um jeden kümmern."
Zum Beispiel die Siemens AG: Beim Mega-Schauspiel in der Mozart-Stadt
zählt der Technologie-Konzern auch im nächsten Jahr wieder
zu den fünf Hauptsponsoren: Je 575.000 EURO per annum spendieren
neben Siemens auch AUDI, Nestlé, die Versicherung UNIQUA
und die Austrian Airlines Group. Rund 14 Millionen Förder-Euro
aus öffentlichen Kassen werden durch knapp 3 Millionen Sponsoren
Euro aufgestockt - ein schönes Zubrot für die Festival-Macher.
Die Gegenleistung der Salzburger: "Sponsoren dürfen ihren
Namen mit den Festspielen assoziieren," sagt Suzanne Harf,
"ihre Logos erscheinen auf allen Publikationen." AUDI
konnte sich den "Jedermann" ins heimatliche Ingolstadt
holen.
Und Siemens hängte seinen Salzburger PR-Event an Puccinis
Peking-Oper "Turandot": Nach der Aufführung gab's
für die Gäste ein chinesisches Essen mit Schauspielern
und Regisseuren. "Sehr prunkvoll", sagt Suzanne Harf.
Salzburg ist nur ein Beispiel. Je leerer die öffentlichen
Kassen werden, desto mehr Bedeutung gewinnt Kultur-Finanzierung
durch Unternehmen. Rund 300 bis 350 Millionen Euro, schätzt
der Arbeitskreis Kultursponsoring (AKS) beim Bundesverband der Deutschen
Industrie, fließen im Jahr als Sponsoringbeträge aus
den Firmenschatullen; dazu kommen noch knapp 50 Millionen Euro reine
Spenden, sowie etwa 125 Millionen Euro, die unternehmensnahe Stiftungen
für Kultur ausgeben.
Macht zusammen rund eine halbe Milliarde Euro - etwas mehr als
8 Prozent dessen, was die öffentliche Hand für Kunst und
Kultur gibt. Zum Vergleich: Der Sport wird jährlich mit 1,6
Milliarden Sponsoren-Euro gefüttert. Und für klassische
Werbung werden sogar 32 Millionen Euro aufgebracht.
Dabei kam eine Studie von Professor Manfred Schwaiger für
den AKS gerade zu dem Schluss, dass Sponsoring fürs Geschäft
viel wirksamer sei als Werbung. Denn allein im Fernsehen, so die
Studie, seit zwischen 1989 und 1999 die Zahl der täglich gesendeten
Werbespots von 260 auf 6214 angeschwollen, dazu bombardierten noch
etwa 250 Radiosender und knapp 10 000 Zeitschriften und Zeitungen
die begehrte Kundschaft mit Werbebotschaften. Dies sei, sagt Schwaiger,
"ein Information Overload", der "an der Effizienz
traditioneller Massenwerbung zweifeln lasse." Mit Kultursponsoring
dagegen könnten "Zielgruppen angesprochen werden, die
mit klassischer Werbung nicht (mehr) erreichbar sind."
Große Namen verknüpfen deshalb schon seit Jahren ihren
Namen auch mit der Reputation kultureller Aktivitäten. Denn
Kultur ist gut fürs Image. Weltläufigkeit und Kompetenz
werden mir ihr ebenso verbunden wie Jugendlichkeit und Modernität.
Der Energiekonzert E.ON zum Beispiel sanierte den Kunstpalast in
Düsseldorf. Die Deutsche Bank gründete mit der Guggenheim
Foundation ein Museum in Berlin und zeigt dort unter anderem Stücke
aus der firmeneigenen Kunstsammlung. Allianz Kulturstiftung und
Lufthansa wiederum gehören zu den Unternehmen des zeitgenössischen
Tanz- und Theaterfestivals euro-scene im November in Leipzig. Und
die Essener Ruhrgas AG finanziert mit 3,5 Millionen Dollar die Rekonstruktion
des legendären Bernstein-Zimmers im russischen St. Petersburg.
Doch auch immer mehr kleine Firmen haben das Kultursponsoring für
sich entdeckt. "Die leisten gerade im regionalen und lokalen
Bereich unheimlich viel", sagt Annette Brackert von der AKS-Geschäftsstelle
in Berlin, "in Relation zu ihrem Umsatz geben die mehr aus
als die Großen." Beispiel Essen: Dort stellt die Sutter-Gruppe
bildenden Künstlern aus Nordrhein-Westfalen für anderthalb
Jahre Arbeitsflächen in einer ihrer Werkshallen zur Verfügung,
organisiert Ausstellungen, spendiert die Kataloge. "Bei Kultur
heben wir uns viel stärker ab als im Sport", begründet
Mitinhaber und Unternehmenssprecher Martin Sutter das Engagement,
"und außerdem können wir dazu beitragen, daß
zeitgenössische Kunst ein größeres Publikum findet."
Die Begeisterung für die schönen Künste seit dabei
jedoch nur die eine Seite, bemerkt Hubert G. Feil, Chef der Agentur
:paradise media und Präsident des Fachverbandes für Sponsoring
und Sonderwerbeformen FASPO. Wichtig sei, darauf zu achten, dass
erstens der Geldgeber eine Gegenleistung erhalte- und dass zweitens
"die Kunst auch zur Marke passt". Denn aus den Inhalten
sollten sich Sponsoren tunlichst raushalten. "Kultursponsoring
ist Partnerschaft", sagt Feil, "Firmen die versuchen,
Kultur und Kulturbetrieb zu kaufen, richten die Kultur zugrunde."
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