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Artikel in SPONSORs
01.06.1998



Kultursponsoring ist mehr als Sponsoring

Das erste Symposium für Kunstsponsoring "Art & Culture" in der Hamburger Hochschule für Musik und Theater stand unter dem Motto "Musik hilft Unternehmen und Marken werden Stars". Hochkarätige Referenten aus Kultur und Wirtschaft stellten interessante Konzepte und Sponsoring-Engagements vor. Dabei standen die Entwicklung von Sponsoring und deren steuerliche Aspekte im Vordergrund des Seminars.


Sowohl bei der Auswahl der Referenten als auch inhaltlich hat der Veranstalter, die Paradise Media unter der Federführung von Hubert G. Feil, eine gelungene Veranstaltung initiiert.



Einen passenderen Rahmen hätte sich die Paradise Media, Augsburg, nicht für ihr erstes Symposium für Musiksponsoring aussuchen können. Im Mendelssohnsaal der Hamburger Hochschule für Musik und Theater trafen sich am 24. April Vertreter aus Kultur und Wirtschaft zum Seminar "Music & Culture". Der historische Saal der Hochschule, die ohne staatliche Förderungen Kulturmanager ausbildet, wurde mit Unterstützung der hiesigen Commerzbank restauriert. Womit wir beim Thema wären: Kultursponsoring.

Die vor einigen Jahren noch gern belächelte Kommunikationsform entsteigt langsam, aber sicher aus dem Schatten des großen Bruders Sportsponsoring. Professor Dr. Arnold Hermanns vom Institut für Marketing an der Universität der Bundeswehr in München belegte diese Vermutung durch eine aktuelle Studie, die er zusammen mit der Agentur Sponsorpartners durchgeführt hat.

Kultursponsoring steigt

Alleine 1997 haben die deutschen Unternehmen für die Kunst 800 Millionen Mark ausgegeben. "Im Vergleich zu den klassischen Werbemaßnahmen", so Hermanns, "wird Sponsoring in den nächsten Jahren überproportional weiter ansteigen." Das wird auch dadurch bestätigt, daß 69,7 Prozent der Unternehmen glauben, daß sic Sponsoring als Kommunikationsform durchgesetzt hat. Das wundert nicht: "Die Apzeptanzwerte in der Bevölkerung sind fantastisch, wir haben es hier mit Traumwerten zu tun", ist Hermanns überzeugt.

Der Sponsoringfachmann und Autor mehrerer Bücher sieht bei Sponsoren allerdings noch Defizite: "Zu oft gehen die Firmen konzeptlos an eine Partnerschaft." Das läge aber auch an den Partnern. Nur vernetzte Maßnahmen und vor allem die Ausdauer bei Sponsorships würden den anvisierten Erfolg bringen. Dabei konnte sich Hermanns einen kleinen Tritt in Richtung Kultur nicht verkneifen. "Sponsoren sind keine lästigen Geldgeber", sagte er. Vielmehr hätten die Unternehmen mehr Verständnis für die Kultur als die Kultur für den Kommerz.

Ein Beispiel der FAZ verdeutlicht dies. Hier hatten Feuilleton-Journalisten das Rheingau-Musik-Festival wewgen seiner Publikumsmusik kritisiert. Angesichts eines prall gefüllten Sponsorenpools und ausverkauften Konzerten fragte Hermanns nur: "So what?"

Internationalisierung erwartet

Langfristig wird sich Sponsoring in seinen Augen noch mehr internationalisieren. Auch wird die interne Kommunikation eine immer größere Rolle im Kommunikationsmix der Unternehmen spielen. Für 1998 rechnet der Experte erstmals mit einem Kultursponsoringbudget von über 1 Milliarde Mark.

Nicht so rosig sieht er die Zukunft für das Öko- und Soziosponsoring. Die beiden Felder wurden auch bei der neuen Studie unter die Lupe genommen: "Zwar stehen die Prognosen für diese Kommunikationsformen gut", sagte Hermanns. Schwierige soziale Themen würden sich aber nicht für den Imagetransfer eines Unternehmens eignen. Hermanns dazu: "Die Prognose wird meiner Meinung nach nicht zutreffen."

Nüchterne Bürokratie

Neben der Entwicklung im Sponsoring nahm ein Thema fast den ganzen Vormittag des Seminars ein: die steuerliche Behandlung von Sponsoring-Maßnahmen. In den vergangenen Monaten wurde dieses Thema in den Medien intensiv diskutiert. Gert Müller-Gatermann, Ministerialrat im Bundesministerium der Finanzen und zuständig für Sponsoring, sorgte für einigen Zundstoff.

Fern ab von der Praxis schildete Gerd Müller-Gatermann die Einstufung von Sponsoring beim Bundesministerium der Finanzen. Die teilnehmenden Vertreter aus Kultur und Wirtschaft konnten dabei zeitweise nur den Kopf schütteln. Denn Müller-Gatermann warf millionenschwere Sponsorships, wie Opel beim FC Bayern-München, mit kleinen Engagements bei regionalen Musik-Festivals in einen Topf. "Es muß gerecht zugehen", argumentierte er. Schließlich sei Sponsoring gleich Sponsoring. "Wenn sich gemeinnützige Körperschaften wirtschaftlich bestätigen, muß man sie auch besteuern", lautete das nüchterte Urteil des Ministerialrats. In seinen Augen sei das anderen steuerzahlenden Sponsoren gegenüber nur fair.

Willkürliche Definition

Die Definition, wann eine wirtschaftliche Betätigung einer Körperschaft vorliegt, scheint willkürlich. Für Müller-Gatermann ist klar: "Ist das Logo eines Sponsors größer als das des Kulturbetriebes, dann betreibt der Kulturschaffende Werbung für die Wirtschaft." Mit anderen Worten: Vater Staat bitten nun zur Kasse. Für Müller-Gatermann ist diese Bewertung legitim. Vor allem angesichts der Tatsache, daß zwischen den Kultursponsoren schon ein Wettbewerb entstanden sei. Vom Arbeitskreis Kultursponsoring des BDI werde das seiner Meinung nach heruntergespielt.

Es kommt aber noch besser: Bei Hospitality-Aktionen zum Beispiel liegt keine wirtschaftliche Mitarbeit vor. Gert Müller-Gatermann nennt Hospitality-Aktionen eine "unschädliche Zusammenarbeit." Fragt sich nur, wenn die Mitarbeit nicht hier vorliegt, wo denn dann? Verständlich, daß die Ausführungen des Finanzbeamten für viel Gesprächsstoff sorgten. Die anschließende Diskussion wurde von diesem Thema bestimmt. Professor Werner Hay, Geschäftsführer Deutsche Phonoakademie, zeigte sich enttäuscht: "Der Rückzug des Staates geht einher mit der Bestrafung der Wirtschaft", sagte er. Man dürfe die Wirtschaft nicht belasten, sondern müßte sie vielmehr unterstützen, unterstrich er.

Thema ist noch nicht vom Tisch

Einen energischen Kontrahenten fand Müller-Gatermann in Dr. Martin Mitschke. Mitschke sieht das Thema "steuerliche Behandlung von Sponsoring-Maßnahmen" noch lange nicht vom Tisch. Auch der Steuerfreibetrag von 60.000 Mark für Kulturbetriebe reicht Mitschke noch lange nicht. "Sponsoring ist Leistungsaustausch", konstatierte er.

Und das funktioniere seiner Meinung nach nur, wenn der Staat sich raushalte. "Denn wo soll das Geld für die Kunst herkommen, wenn sich der Staat zurückzieht?", fragte der Jurist. "Für ein Dankeschön im Programmheft kommt heute keiner mehr."

Grenzen sind fließend geworden

Sabine Siehl, Montblanc International, brachte die Problematik aus Sponsorensicht auf den Punkt: "Als Partner des Gesponserten will man erlebt werden, es wird einem verboten, sich positiv über das Engagement zu äußern." Andy Zahradnik von der Zeitschrift Musikmarkt ergänzt: "Die Grenzen zwischen Sponsor und Gesponsertem sind fließend geworden. Konsumenten beschäftigen sich heute mit allem."

Ein großer Sponsor wie beispielsweise Levis würde seiner Aussage nach heute mehr Leute ziehen, als ein Kulturevent selbst. "Wir brauchen die Sponsoren", sagte auch Klaus Pomykai von der Polygram GmbH. "Nur so können wir eine breite Zielgruppe mit unserem Angebot erreichen."

Das Seminar "Music & Culture" in der Hamburger Hochschule für Musik und Theater traf die Problematik im Kulturbereich auf den Punkt. Die Diskussionen über die Entwicklung dieser Kommunikationsform und auch über ihre steuerliche Behandlung haben bei den Teilnehmern den Nerv getroffen. Die interessanten Beiträge von Unternehmen und der Kulturseite haben die Veranstaltung zu einem gelungenen Event gemacht.

Hubert G. Feil, Paradise Media, Initiator des Symposiums hat mit "Music & Culture" gezeigt, daß Kultursponsoring mehr ist, als nur Sponsoring.

 

 

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